vom 13. Januar 2017

14. agrarpolitische Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung M-V

Mit den Themen der 14. Agrarpolitischen Tagung haben wir auch in diesem Jahr den Kern der Zeit getroffen. Es gab mehr Anmeldungen als verfügbare Plätze und trotz des morgendlichen Schneechaos sind zahlreiche Gäste aus dem ganzen Land nach Güstrow in die Viehhalle gekommen.

In den letzten Jahren ist deutlich geworden wie vielfältig Agrarpolitik ausstrahlt. Jeder kommt mehrfach täglich in Berührung mit Landwirtschaft, nämlich auf dem Teller! Gerade die vielen Verknüpfungspunkte machen die Agrarpolitik zu einem Feld, was so viele Menschen berührt. Am Donnerstagabend wurden die Gäste eindrücklich sensibilisiert für Chancen und Gefahren unseres täglichen Handelns. Moderator Jörg Klingohr hat provokativ herausgekitzelt, dass Veränderung bei jedem einzelnen selbst beginnen muss.

Politik greift häufig dann, wenn die Appelle an die Vernunft nicht ausreichen. Auf teilweise unbequemen Wegen hat sie die Aufgabe ein Gleichgewicht herzustellen bzw. zu bewahren. Gesamtgesellschaftliche Problemstellungen sind häufig so lange interessant, bis man selbst davon beeinträchtigt wird, wenn es darum geht sie anzugehen. Die Veränderungen im Agrarsektor und die gesellschaftlichen Anforderungen stellen uns im politischen Kontext vor erhebliche Herausforderungen. Das was kommunikativ nach außen gelangt entspricht nicht immer der ehrlichen Einschätzung der Breite der Bürgerinnen und Bürger. Gesagt ist nicht automatisch auch getan. Und trotzdem nehmen wir als Politikbeauftragte die laut werdenden Stimmen sehr ernst. Den Emotionen, die die vielen Berührungspunkte mit der Landwirtschaft mit sich bringen, müssen wir den sachorientierten Erkenntnissen entgegenstellen. Der Fokus der Tagung lag auf der Globalisierung. Es wurde klar, dass Globalisierung nicht automatisch das Aus der Spezial- und Nischenerzeuger ist. Insbesondere die unterschiedlichen Bedingungen der Handelspartner und Konkurrenten stellen unsere heimischen Produzenten vor enorme Herausforderungen. Kosten, gesellschaftliche Anforderungen und Erlöse zwängen die Erzeuger häufig in ein enges Korsett. Die Spekulationen auf dem Bodenmarkt tun ihr Übriges dazu. Den Ausführungen von Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus konnte entnommen werden, dass es Überlegungen gibt, wie man dem entgegnen kann. Kelly Stange brachte ein, dass sich die Agrarstrukturen in Deutschland und den USA gar nicht so sehr unterscheiden. Die Herangehensweise und die politischen Rahmenbedingungen können z.T. nicht unterschiedlicher sein!! Sie bezifferte auch, dass wir um 70% produktiver werden müssen, um 2050 die Menschen dieser Erde ernähren zu können.

ABER

Passt das mit unserem Anspruch auf Nachhaltigkeit zusammen? 10 Milliarden Menschen auf der Erde, die von 11 % der Fläche ernährt werden müssen? Aber wem sollen wir nun verbieten, dass die Bevölkerung so schnell wächst? Unsere Aufgabe wird es sein dieser hervorsehbaren Entwicklung mit nachhaltiger Effizienz zu begegnen. Dafür müssen politische Rahmenbedingungen bestehen, die Innovation & Nachhaltigkeit belohnen und eine positive Entwicklung im Sinne der Gemeinschaft befördern. Da kommt man in den Überlegungen sehr schnell zum Geld! Jede Innovation kostet viel, bevor sie in die Breite getragen werden kann, also bevor die Kinderkrankheiten von Technik und co. überwunden sind. Neben den Anforderungen an die Produktion verändert sich im nationalen und globalen Kontext auch die Anforderung an die Produkte. Sei es bei der Zusammensetzung, der Verarbeitungsstufe oder der Gesundheitsrelevanz.

Für die Einen gehört Essen zum Lifestyle, für Andere ist es reine Ernährung –> Hauptsache einfach, schmackhaft und reichhaltig, für wieder Andere in der Welt steht Essen für pures Überleben. Das wiederum bedingt, wie Unterschiedlich die Wege der Produktion sein können und auch müssen. Niemand befindet sich im Ernährungsbereich auf einer Insel –> man muss schon schauen, was links und rechts des Weges passiert, seine eigene und erfolgreiche Strategie entwickeln. Gerade Kooperationen können ein Schlüssel zum Erfolg sein, wie Prof. Langosch erläuterte. Mehrwerte für besondere Produkte müssen herausgestellt werden, um Mehrerlöse zu erzielen.

Allgemein, Landwirtschaft